Meine Philosophie
Reiten bedeutet, eine Teamsportart auszuüben. Jedes Pferd-Mensch-Paar ist individuell und hat unterschiedliche Ansprüche sowie Vorstellungen. Reiten die einen gerne aus, so sind die anderen Absolute Wettkämpfer. Immer wieder trifft man auch auf Menschen, die ihr Pferd lieber regelmäßig spazieren führen, anstatt zu reiten.
Auch dies ist vollkommen legitim, denn im Mittelpunkt sollte immer das Wohlbefinden von Pferd und Mensch stehen.
Sportlicher Erfolg ist toll, doch ein gesunder Körper und Geist sind so viel mehr wert. Was nutzt es mir, wenn ich Pferd siebenjährig in den S-Klassen vorstelle, wenn es dann mit zehn Jahren schon berentet wird? Ist es das wirklich wert? Ich denke nicht. Sport sollte in erster Linie vor allem eines sein: Gut für Geist und Körper. Sport sollte fair sein. Und deswegen sollten auch wir dem Pferd gegenüber gerecht werden, und es körperlich wie seelisch nicht überfordern, sondern fördern. Mit ihm und an ihm wachsen, uns von ihnen belehren lassen, gerne auch nach Perfektion streben, aber bitte niemals zum Leidwesen des Tieres!
Man sollte seinem Pferd hinterher noch in die Augen schauen können, und wenn man alles richtig gemacht hat, dann wird auch das Pferd freudig und motiviert die nächste Trainingsstunde förmlich herbeisehnen.
Viele Pferde drehen den Menschen jedoch den Hintern zu, zeigen ihnen quasi den Stinkefinger. Weil ihre Bedürfnisse und Empfindungen völlig übersehen werden, weil schlichtweg zu viel von ihnen abverlangt wird, oder sie einfach nicht verstehen, was der Mensch von ihnen möchte.
Dabei kann das Pferd so ein toller Freund sein, wenn man es nur mit Respekt und Liebe behandelt!

Im Umgang mit Pferden solle man vor allem eines sicherstellen: Dass das Pferd versteht, was man von ihm möchte. Oftmals sieht man Menschen, die mit allem Drücken und Ziehen versuchen, eine Reaktion hervorzurufen, die ein anderes, entsprechend ausgebildetes Pferd zeigen würde. Die Menschen vergessen dabei jedoch, dass nicht jedes Pferd versteht, was von ihm verlangt wird. Eine klare Verständigung zu schaffen, wo das Pferd auch die Möglichkeit hat, zu "fragen", indem es vorsichtig Dinge ausprobiert und auf Feedback wartet, und dafür sollte man es nicht strafen sondern generell bestärken für alles, was sich innerhalb der Regeln des Guten Benehmens abspielt!

Wo wir beim Guten Benehmen wären: Es ist alles eine Sache der Erziehung. Kennt ihr diese Pferde, die beim Putzen sehr aufdringlich sind, immer da stehen wollen, wo man selbst steht, und anfangen zu drängen, wenn es zur Box oder Weide geht? Die nicht stillstehen können und die Menschen am liebsten durch die Gegend schubsen? Ich kenne viele Reiter, für die es normal ist, einfach auszuweichen, Platz zu machen, sie lassen sich dieses rüpelhafte Verhalten gefallen, und das Pferd denkt, es sei okay sei, schließlich toleriert der Mensch es ja. In Wirklichkeit aber wäre es dem Menschen in der Regel lieber, sein Pferd würde still stehen, und etwas mehr Abstand halten, etwas vorsichtiger sein, und einem nicht ständig auf die Füße treten. Das ist schlichtweg eine Frage der konsequenten Erziehung. Lasse ich mir dies mehrmals gefallen, muss ich damit rechnen, dass das Pferd auch immer wieder so handeln wird. Zeige ich jedoch klare Grenzen und etwaige Konsequenzen auf für wiederholte Grenzüberschreitung - man sollte hier fair sein und nicht gleich beim ersten Mal allzu hart disziplinieren, sondern lediglich ruhig und bestimmt auf alle erdenklichen Arten ein klares "Nein" kommunizieren - beim zweiten oder gar dritten Mal hingegen darf man ruhig auch etwas bestimmter und rigoroser werden, denn das Pferd soll ja lernen, dass das einfache "Nein", ohne Strafe, bereits eine klare Grenzsetzung darstellt.

Wo wir dann bei Grenzen wären. Pferde brauchen klare Grenzen, in denen sie sich bewegen dürfen. Pferde sind froh, wenn jemand daherkommt und sagt: Ich übernehme jetzt die Führung und Verantwortung, du kannst dich zurücklehnen und grasen, denn ich passe auf und regle das alles! Die Chefrolle ist sehr anstrengend für Pferde und für die wenigstens überhaupt erstrebenswert. Verantwortung bedeutet Stress und ein kürzeres Leben, Pferde sind sehr bescheiden und geben sich gerne mit einer wesentlich kleineren Rolle zufrieden.

Auch Vertrauen spielt eine wesentliche Rolle im Umgang mit Pferden. Vertraut es dir, so wird es dir folgen, vertraut es dir jedoch nicht, wird es bei der nächsten Gelegenheit widersätzlich reagieren und vielleicht losstürmen. Vertrauen erreiche ich jedoch nur, wenn ich in der Lage bin, auf die Bedürfnisse meines Pferdes zu achten. Wenn es das Gefühl hat, dass es bei mir sicher ist, weil ich es vor Schäden bewahre, und weil es sich neben mir einfach wohlfühlt.

Jegliches Training sollte schmerzfrei stattfinden! Zwar muss ich in der Lage sein, klare Grenzen zu setzen, aber mal abgesehen davon ist es völlig falsch, dem Pferd grundlos Schmerzen zuzufügen. Das fängt bei der Ausrüstung an und hört beim Training auf. Ein Pferd, welches eine offene Wunde im Bereich der Sattellage hat, brauche ich gar nicht erst reiten. Es wird sich ohnehin verspannen, und mal unabhängig davon, ob die Wunde sich verschlimmert, oder nicht, wird das Pferd nurmehr die Motivation verlieren, den Rücken wegdrücken, und der Erfolg des Trainings bleibt, wenn man mal ehrlich ist, gänzlich aus.

Neben all dem Training ist es auch wichtig, immer wieder Abwechslung zu verschaffen. Pferde brauchen das, und oft sind die Erfolge im dressurmäßigen Training am Tag nach einem entspannten oder auch flotten Ausritt viel größer, als wenn am Vortag ebenfalls fleißig Dressur geritten wurde. Oft geht auch die Ausstrahlung verloren, wenn eine Übung allzu oft abverlangt wird. Das Pferd strengt sich dann nicht mehr so sehr an, es wird langweilig.

Gerade das arabische Pferd hat mich gelehrt, wie schnell Langeweile sich bei einem Pferd einstellen kann. Man kann eine Lektion drei- vielleicht viermal üben. Danach sollte man jedoch eine kurze Pause einlegen, etwas anderes suchen, und dann bei Bedarf, und nur bei eben solchem, nochmals ansetzen. Ein vielseitiges und spannendes Training mit viel Abwechslung erhöht die Motivation, und das Pferd lernt schnell, dass es, wenn es seine Sache gut macht (optimalerweise besser, als zuvor), es durch eine Pause belohnt wird. Je mehr es sich also anstrengt, desto weniger muss es in Wirklichkeit schaffen. Das sollte nur fair sein!

Am Ende sollten sich einfach beide Parteien absolut wohlfühlen können, denn für den Großteil der Reiter steht ohnehin nicht der sportliche Erfolg, sondern das Hobby an sich im Vordergrund, und die wenigsten Reiter werden überhaupt jemals einen Turnierplatz von der Mitte aus betrachten.

Das Reiten sollte also vor allem eines sein: Ein schönes und entspanntes Miteinander!

„Reiten Sie ihr Pferd glücklich!“ – (Nuno Oliveira)
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Pferde- und Reiterausbildung nach Maß
"Die charakterliche Prägung sei Dir besonders wichtig. Präge es von den ersten Lebenstagen an, so dass es ein tiefes Vertrauen fasst, dich respektiert und Dir gehorcht." (Xenophon)
"Das, was für das Pferd zählt, ist, wie es sich neben Dir fühlt"

(Buck Brannaman)
„Ein ausgebildetes Pferd zu besitzen bedeutet nicht nur die Gangarten zu versammeln oder Tempoverstärkungen zu haben, sondern vor allem daß es ausbalanciert, fröhlich und ohne Widerstand ist.“ (Nuno Oliveira)
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